SAGEN

Die Sage über die Quelle (Polly)

In einem kleinen Dorf lebte einst die junge Magd Marie. Sie war schön anzusehen, temperamentvoll und voller Sorglosigkeit. Ihr blondes, langes Haar viel in sanften Wellen ihren Rücken hinab. Kleine Sommersprossen zierten ihr Gesicht und Ihr glockenhelles Lachen lies allen Kummer vergessen. So kam es dass sie, als sie im heiratsfähigen Alter war, viele Verehrer hatte. Doch Marie wies sie alle bestimmt zurück , hatte sie ihr Herz doch schon vor langer Zeit dem Bauernjungen aus dem Dorf geschenkt. Aufgrund der ständigen Ablehnungen zürnte der Vater ihr, da er sich eine gewinnbringende Partie erhoffte.

Leider war ihr Bauernjunge dies nicht und so trafen sie sich heimlich in einer nördlich gelegenen Höhle um sich nahe zu sein. Eines Tages kam ein reicher Kaufmann aus einer benachbarten Stadt durch das Dorf. Seinen Reichtum verdankte er verpachteten Feldern im Reich und er hatte seit je her alles bekommen was er begehrte. Als er Marie erblickte entschied er, dass dieses Weib seine Frau werden würde.
Als der Vater dies vernahm beschloss er, dass sie noch am nächsten Tag heiraten sollten und drohte der Tochter bei Weigerung mit Verbannung . Doch Marie wollte den Kaufmann nicht heiraten, schimpfte, schrie und rannte kurzerhand fort und suchte in ihrer Höhle Zuflucht.

Der Kaufmann war nun öffentlich gedemütigt und zürnte der Magd die es gewagt hatte ihn zurückzuweisen. Er reiste ab, doch als er das Dorf verließ teilte ihm ein Diener mit, dass er gesehen hatte wohin die Magd geflohen sei. Der Kaufmann lies seine Begleiter weiterreisen und suchte die Höhle die der Diener beschrieben hatte, ohne jemandem zu sagen wo er hinging. Als er dort ankam und die Magd sah nahm er einen großen Stein und erschlug sie hinterrücks .Sodann schleifte er ihren leblosen Körper fort und warf sie einen Abhang hinunter. Voller Genugtuung reiste er weiter, ohne ein einziges mal zurück zu blicken.
Auch der Bauernjunge suchte seine Marie und als er sie schließlich tot fand verfiel er in tiefe Trauer. Doch der Geist von Marie war nicht weitergereist und schwor ihrem Mörder Rache. So ließ sie die Quellen versiegen aus denen der Kaufmann seine Felder bewässerte. Jeder Versuch die Quellen wieder zum sprudeln zu bringen blieb erfolglos. Alsbald waren seine Felder verdorrt und der Kaufmann verlor nach und nach sein Vermögen.

Ihr Liebster verging derweil in tiefem Gram. Regelmäßig kam er zur Höhle und legte rote Rosen nieder. So lies sie eine klare Quelle in der Höhle entspringen. Der Bauernjunge erkannte in der Quelle das sprudelnde Wesen seiner Marie und merkte, dass sie immer bei ihm sein würde. Aus dieser Quelle entsprang ein Strom der die Felder des Bauernjungen düngte und er kam zu einem unverhofften Wohlstand.
Der mittlerweile verarmte Kaufmann hörte von dem Reichtum des Dorfes und wollte sich das genauer ansehen.

Er reiste in das Dorf und besah sich die Höhle aus der die neue Quelle entsprang ... als er am Eingang der Höhle stand sah er einen wohlgekleideten Mann der rote Rosen ablegte und der Neid erfasste ihn . Er griff einen Stein und wollte ihn erschlagen, doch plötzlich war der Boden nass, er taumelte und fiel in den Fluss. Sofort ging er unter und ertrank. Der Mann, der früher als Bauernjunge bekannt war, hatte davon nichts mitbekommen. Doch glaubte er an jenem Tag ein Glucksen wie ein Lachen aus der Quelle gehört zu haben. Noch heute legen Liebende rote Rosen an den Höhleneingang ... für die Liebe die trotz aller Hindernisse bestand.